7 berühmte Persönlichkeiten von denen du bislang nicht wusstest, dass sie mal Sex-Arbeiter waren

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Was hat Roseanne Barr mit Malcolm X gemeinsam? Wahrlich nicht viel, außer das beide – so wie viele andere Schauspieler, Musiker und Künstler – vor ihrer Karriere mit Sex ihr Geld verdienten.

Einige machten das weil sie es mussten, und andere machten es weil sie es wollten. Das gleiche lässt sich eigentlich für alle Menschen sagen die in einem Beruf arbeiten. Darum ist es schon etwas deprimierend wenn man hört wie Callboys tätlich angegriffen werden oder wenn bestimmte feministische Kreise Prostitution mit Menschenhandel vergleichen. Wenn man die ganze Politik außer acht lässt ist Sex-Arbeit nichts anderes als ein ganz normaler Job unserer Dienstleistungsgesellschaft.

Hier eine Liste von sieben Menschen, deren Namen ihr alle kennt – von denen man aber nicht unbedingt weiß, dass sie einst ihr Geld mit Sex verdient haben.

Fürs Protokoll: Wir zählen hier nur wirkliche Sex-Arbeiter auf – wenn jemand einmal in einer Episode der US-Erotikserie „Erotische Tagebücher“ (The Red Shoe Diaries) einen Auftritt hatte, dann zählt das NICHT als Sex-Arbeit (Sorry, David Duchovny und Matt LeBlanc!).

Maya Angelou, Miss Calypso 1957
Maya Angelou während ihrer Calypso-Phase

Maya Angelou

Dr. Maya Angelou wurde nicht nur die Ehrendoktorwürde verliehen, sie hat über die Jahre auch eine Reihe ganz unterschiedlicher Jobs gemacht. Du kennst sie wahrscheinlich als Lyrikerin und Memoiren-Schreiberin, aber wenn man  ihre Memoiren liest dann weiß man, dass sie auch Calypso-Sängerin, Tony-nomierte Broadway-Schauspielerin, Lackiererin in einer Karosseriewerkstatt und auch die erste weibliche Straßenbahnfahrerin in San Francisco war. In ihren jungen Jahren arbeitete sie als Prostituierte und Bordell-Managerin. Eine Zeit die sie 1974 offen und ehrlich in ihren Memoiren Gather Together In My Name beschrieben hat.

Ich habe über meine Erfahrungen geschrieben weil ich mir dachte, dass einfach viel zu viele Menschen den jungen Leuten sagen „Ich habe nie etwas falsch gemacht. Wer, ich? – Nie. Ich habe keine Leichen im Keller. Eigentlich habe ich gar keinen Keller“. So lügen sie sich selbst an und die jungen Leute finden sich dann selbst in einer Situation wieder in der sie denken „Verdammt, ich bin ein ziemlich mieser Kerl. Meine Eltern haben nie etwas verkehrt gemacht“. Sie können sich selbst nicht verzeihen und machen so weiter mit ihrem Leben. Deshalb habe ich das Buch Gather Together in My Name geschrieben.

 

Roseanne Barr

Roseanne Barr, Vanity Fair
Roseanne Barr, Vanity Fair

In der der Titelstory einer Ausgabe von Vanity Fair im Jahr 1994 beichtete der TV-Star Roseanne Barr (zu dieser Zeit hieß sie noch Roseanne Arnold) gegenüber Kevin Sessums, dass sie in ihren zwanziger Jahren als Prostituierte gearbeitet hat und auf dem Parkplatz eines Einkaufs-Zentrums ihr Geld verdiente. Dies – und viele andere Details über ihre schlimmsten frühen Jahre – hat sie in ihren Memoiren Roseanne: My Lives niedergeschrieben.

Ein Auszug aus dem Vanity Fair Artikel:

Ich denke Prostitution sollte legalisiert werden, weil so wie eine Gesellschaft ihre Prostituierten behandelt das wiederspiegelt, wie sie auch die hoch angesehenen und mächtigsten Frauen behandelt. … Es gab Prostitution schon immer – und Frauen sollten in der Lage sein sie und steuern zu können. … Prostitution ist ein Geschäft.

 

Rupert Everett, Love For Sale
Rupert Everett, Schauspieler und früherer Sex-Arbeiter (Foto von Swan Films)

Rupert Everett

Der britische Schauspieler, Romanautor und ehemalige New Wave-Sänger Rupert Everett wurde in eine reiche Familie reingeboren, aber seine jüngeren Tage verbrachte er als Escort während seiner Zeit auf dem College. Durch seine ersten Filmrolle, bei der er 1984 in Another Country einen Schwulen spielt, machte ihn zum Star und er hatte damit sein Outing. Mit seinen Gefühlen hat er sich noch nie zurück gehalten und während der Promotion-Tour zu My Best Friend’s Wedding – mit dem er sein schauspielerisches Comeback feierte – sprach er erstmals auch offen über seine Vergangenheit als Callboy. Vor wenigen Jahren moderierte er auch im Fernsehen eine britische Interview-Serie über britische Sex-Arbeiter(innen) mit dem Titel Love For Sale.

Aus The Independent, 1997:

„Ich hatte nicht vor jemanden abzuzocken, aber dieser Typ hat mir solch eine enorme Summe angeboten. Das war wie Taschengeld für eineinhalb Jahre“ erklärte der Schauspieler Rupert Everett in einem sehr offenen Interview kürzlich dem amerikanischen Unterhaltungs-Magazin US. Er erzählt, dass er damals als brotloser Schauspieler da „so reingerutscht“ ist nachdem er vor einer U-Bahn-Station in London angesprochen wurde. Seine Beichte dass er mal als Stricher gearbeitet hat führte zu einem wilkommenen Publicity-Schub zu seinem damaligen Film, My Best Friend’s Wedding. Aber das überraschendste an seiner Offenbarung war die außer ungewöhnliche Formulierung dass ein Mann in den Austausch von Sex gegen Geld „so reinrutschen“ kann. 

Kathleen Hanna

Kathleen Hanna ist bekannt als Frontfrau von Bikini Kill, Le Tigre, und The Julie Ruin. In Ihren jungen Jahren arbeitete sie aber als Stripperin weil ihr das die finanzielle Möglichkeit gab um auf Tour zu gehen. Sie mochte diesen Job nicht wirklich, aber sie ist schlau genug um dem anzumerken, dass die meisten Menschen ihren Job eigentlich nicht mögen.

Mit der mittlerweilen deaktivierten Film-Website The Dissolve sprach sie über Lizie Borden’s Film Working Girls aus dem Jahr 1986, den sie für als realistische Darstellung der Strip-Club-Branche hervorhebt:

Working Girls… ist  mich ein sehr wichtiger Film weil ich mal als Sex-Arbeiterin gearbeitet habe. Ich war zwar kein hochbezahltes Callgirl, aber ich liebte diese Film einfach. Ich wurde in Interviews oft gefragt wie es so ist wenn man als Stripperin arbeitet, aber ich habe da nicht gerne drüber gesprochen, und wollte auch nicht darüber sprechen.

Irgendwann habe ich dann doch darüber gesprochen und habe mich danach darüber geärgert weil die Leute dachten das sei cool und was Gutes. Für mich war der Job der reinste Horror und ich habe den Job nur gemacht, damit ich auf Tour gehen kann. Der Gedanke, dass andere Mädels denken „Oh, das ist cool“ und dass das zu einem Riot Girl dazu gehört hat mich sehr aufgeregt…

Als ich mir dann Working Girls angeschaut habe hat mich das wirklich erleichtert. Weil es langweilig war. Der Film ist langweilig. Die Aussage des Films für mich war: Es ist langweilig. Es ist einfach nur immer wieder das gleiche, wie jeder ander Fließbandarbeit. Ja, der Job ist erniedrigend und verdammt langweilig. Journalisten versuchen oft das auf den Sex zu reduzieren, aber „es geht nicht um den Sex. Es geht um Kraft. Es ist ein Job mit vielen vielen Chefs, die dich alle wie ein Stück Scheiße behandeln.“

Man kann es auch auf Sex rezuzieren, dass ich mal für Mc Donald’s gearbeitet habe und weil sie mir dort ein T-Shirt gegeben haben das zwei Nummern zu klein war und mich vorne an die Kasse gestellt haben während die Jungs hinten an der Friteuse standen. Finanziell gesehen ist es für eine einen Burgerladen besser, wenn ein Mädel in engem Shirt die Burger verkauft – und das haben die  Filial-Manager auch so eingebleut bekommen von oben.

 

Amanda Palmer

Amanda_Palmer_concertAmanda Palmer, Musikerin und polarisierende Internet-Persönlichkeit, wurde als die eine Hälfte des Duo’s The Dresden Dolls aus Boston bekannt.

Ihr Publikum und auch die Kritiker mochten ihre oft hämischen Anschauungen – und dass sie in ihren Liedern auch unschöne Dinge wie Abtreibung oder Kindes-Mißhandlung thematisiert. 2010 kam eine öffentliche Welle der Empörung auf, als sich die Band trennte und sie zusammen mit Jason Webley ein Album aufnahm und dies in Gestalt von siamesischen Zwillingen veröffentlichte.

Und dann gab es noch die Zeit wo sie eine Millionen Dollar auf Kickstarter sammelte und  Musiker dazu aufforderte mit ihr zusammen auf der Bühne ohne Gage aufzutreten (Sie hat da eventuell etwas nachgegeben und sie dann doch bezahlt). Dann hat sie auf TED ihr Geschäftsmodell erklärt. Aber bevor das alles passierte, war sie Stripperin.

Sie hat viel darüber gesprochen, hier ein interessantes Zitat aus einem Interview mit The Quietus über die Aufmerksamkeit die sie benötigte um diesen Sex-Job machen zu können:

Während der Zeit als wir mit der Band noch nicht viel Geld verdienten, versuchte ich als Stripperin irgendwie über die Runden zu kommen. Ich habe mich lange gefragt ob ich genug Kraft für diesen Job habe da ich wusste, dass ich mich bei einem Strip einem inneren Kampf stellen muss. Und ich wusste, dass ich voll bewaffnet in diesen Kampf muste und scheinbar bereit war mich diesem auch zu stellen weil es keine bessere Möglichkeit gab. Es war auch ein wirklich irrer Ort wo das alles statt fand.

Ich sagte zu mir selbst „Du kannst das, weil du Feministin bist und ich kann diesen Job mit viel Mitleid machen.“ Und das bedeutet, dass ich Mitleid für mich selbst und all die abgewrackten Leute mit denen man zu tun hat hat. Und das bedeutet, dass ich mit sehr vielen abgewrackte Leuten zu tun hatte. Auf der Bühne. Hinter der Bühne. So gut wie jede Nacht.

 

Dee Dee Ramone

Dee Dee Ramone, Catharine Anderson
Foto: Catharine Anderson

Der als Douglas Colvin geborene Bassist und Mitbegründer der legendären Punk-Band The Ramones verbrachte einst seine Zeit als Straßenstricher in New York. Auch wenn sie es nur ungern öffentlich zugeben haben die anderen Bandmitglieder angedeutet, dass ihr Lied „53rd & 3rd“ von Dee Dee’s eigenen Erlebnissen in dieser früheren Cruising Area von Manhattan geprägt ist.

Der Song ist düster: Keiner der Freier ist interessiert und wenn es doch einer ist, dann ersticht der Erzähler ihn um zu beweisen, dass er keine Tussi ist.

In dem Buch Addict: Out of the Dark and Into the Light das Christopher Keeley 2007 schrieb, gibt es eine Interview mit Dee Dee in dem er erklärt, was damals passierte:

Ich habe tagsüber als Botenjunge in einem Büro gearbeitet, aber das war schlecht bezahlt und ich habe damit nicht genug Geld verdient um mein Zimmer in Manhattan und meine Heroin-Sucht bezahlen zu können. Nachts bin ich dann zur Ecke 53rd und 3rd Straße gegangen und habe dort auf Männer gewartet um mit denen dann für 20 Dollar mit nach Hause zu gehen und Sex mit ihnen zu haben um mir ein paar Drogen kaufen zu können.

Das ging so ein paar Jahre lang und mir gings immer mieser und ich wurde schwer drogenabhängig. Meine ganzen Freunde mit denen ich mich abgab waren Stricher und Junkies. Und dann traf ich ein paar alte Freunde aus Forest Hill, sie mochten auch Drogen  aber auch die gleiche Musik die ich auch mochte. Die New York Dolls brachten uns dadurch irgendwie zusammen.

Malcolm X

Das Buch von Bruce Perry aus dem Jahr 1991 Malcolm: The Life of a Man Who Changed Black America spricht die Sexualität von Malcom direkt an. Von seiner jugendlichen Unbesonnenheit unter Schulkameraden bis hin zu der Zeit wo er sich nachts aus dem Bett stiehlt um eine schwule Transe namens Willie Mae zu besuchen.

Der britische Kritiker und Aktivist für Schwulenrechte Peter Tatchell erklärte Malcom’s Sexualität und seine Karriere in einem Editoral des Guardian mit dem Titel „Malcom X – schwuler schwarzer Held?“:

Zwei von Malcom’s Freunden aus Michigan können sich daran erinnern wie sie ihn mal  im YMCA trafen und wo er damit prahlte, dass er Geld verdiene indem er Schwule bedient. Später arbeitete er als Butler für den wohlhabenden William Paul Lennon aus Boston. Einem Kumpel zu folge wurde Malcolm dafür bezahlt, dass er Lennon mit Talkpulver eingepuderte und ihn zum Orgasmus brachte.

Perry deutete an, dass Malcom’s schwule Abenteuer nicht nur finanziell motiviert waren. Die Unsicherheit über seine eigene Männlichkeit und seine Zweifel Frauen gegenüber passen zu dem Bild eines verkappten Schwulen und deuten auf seine latente Homosexualität hin.

 

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